Reise in die Ukraine:
Eindrücke zwischen Alltag und Krieg

Unser Vereinsmitglied Gaby von Lepel besucht Zymna Voda

Eine Reise in die Ukraine im Februar 2026 führte nicht nur durch Länder und Städte, sondern auch durch eine Realität, die von Unsicherheit und zugleich bemerkenswerter Normalität geprägt ist. Bereits die Anreise von Ravensburg über Berlin und Polen nach Kiew gestaltete sich schwierig: Zugausfälle, Streiks und nächtliche Grenzkontrollen verlangten Geduld und Improvisation. Erst nach über 24 Stunden erreichte ich erschöpft die ukrainische Hauptstadt.

In Kiew zeigte sich ein widersprüchliches Bild. Während das Stadtzentrum weitgehend unversehrt wirkt, gehören nächtliche Drohnenangriffe für die Bevölkerung zum Alltag. Gespräche mit Einheimischen machen deutlich, wie sehr der Krieg das Leben bestimmt. Viele Pendler im Bus berichteten von Familien im Frontgebiet, von Sorgen um Angehörige und der Hoffnung auf ein baldiges Ende der Kämpfe.

Neben persönlichen Eindrücken standen auch berufliche Termine im Fokus. Treffen mit Vertretern der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und eines ukrainischen Bauunternehmens zeigten Perspektiven für den Wiederaufbau auf. Diskutiert wurden innovative Bauweisen, die energieeffizient und ressourcenschonend sind – ein wichtiger Ansatz für die Zukunft des Landes.

Weiter ging die Reise nach Lviv im Westen der Ukraine. Die Stadt selbst blieb bislang von größeren Zerstörungen verschont, doch Luftalarm und Schutzräume sind auch hier Teil des Alltags. Bei meinem Aufenthalt in der nahegelegenen Gemeinde Zymna Voda, mit der Ravensburg eine Solidarpartnerschaft pflegt, bekam ich einen Einblick in örtliche Gegebenheiten. Zymna Voda hat knapp 22.000 Einwohner und ist von Ein- und Zweifamilienhäusern dörflich geprägt. Der Empfang bei Bürgermeister Volodymyr Hutnyk und Oksana Petryk, unter anderem für Partnerschaften zuständig, in der Ortsverwaltung zeigte sowohl funktionierende Strukturen als auch die Herausforderungen durch Binnenflüchtlinge und den anhaltenden Krieg. Auffallend war, wie ein Bekanntmachen nur mit Vornamen üblich ist, so wurde ich als „Miss Gaby“ vorgestellt. Bei einem Gang über den Friedhof wurde mir das Mahnmal und die Gräber der 73 gefallenen Soldaten des Ortes gezeigt. Bei der örtlichen Feuerwehr wurde ich mit einer Herzlichkeit empfangen, mit Stolz wurden mir die beiden Fahrzeuge aus Ravensburg vorgeführt.

Besonders bewegend waren Begegnungen in Kindergärten und Schulen. Kinder, die im Krieg aufwachsen, nehmen Alarm und Schutzräume als selbstverständlich hin. Gleichzeitig bemühen sich die Einrichtungen, ihnen so viel Normalität wie möglich zu bieten. Die Kindergarten- und Schuleinrichtungen wirkten angenehm, dem Lernziel gemäß werden die Kinder als Zukunft des Landes gesehen und wirkten auf mich sehr diszipliniert.